Von Rückkehrern und Hiergebliebenen - Aktuelle Situation der Gruppe Open Hearts

lunes, 5 de diciembre de 2022

Jeannine Schmidt

Die aktuelle Situation der ukrainischen Selbsthilfegruppe "Open Hearts" im Waldhaus in Münsterlingen hat sich eingespielt. Die Gruppe ist ein gut funktionierendes Team, unterstützt sich gegenseitig und ist damit weitgehend autark. Einige sind inzwischen nach Lemberg zurückgekehrt. Sie sind froh, wieder zuhause zu sein, berichten aber von akuten Problemen im Alltag.

Besuch von Governor Daniel Marbot im Waldhaus

Ende Juni zog die Gruppe von einem Haus der Stiftung Mansio um in eine andere Unterkunft im Waldhaus, beide Häuser auf dem Klinikgelände in Münsterlingen. Seit dem Umzug läuft der Alltag reibungslos. Ein Ende des Krieges allerdings ist weiterhin nicht in Sicht, und die Gruppe bangt täglich und stündlich mit den Verwandten und Freunden in der Heimat.

Die derzeitige Wohnsituation im Waldhaus ist perfekt, weil sich Behinderte und Betreuer gegenseitig unterstützen können und somit weitgehend autark sind. Pflege von der Spitex benötigt aus diesem Grund nur eine Behinderte. Familie Kuri hat ein Auto, mit dem sie die Einkäufe für die ganze Gruppe besorgt. Eventuell müssen die Kuris allerdings Anfang des Jahres zurück in die Ukraine. Das wiederum hätte Auswirkungen auf die anderen – die Einkäufe müssten anders organisiert werden, un die Gruppe wäre nicht mehr so autark.

In den vergangenen Monaten organisierten Rotarier/innen aus den beiden Club RC Kreuzlingen und Kreuzlingen-Konstanz diverse Aktivitäten. Es wurde gemeinsam gebastelt, gekocht und manikürt. Es gab Ausflüge in die Umgebung, Stadtbummel und Spaziergänge, es wurden Gottesdienste und Konzerte besucht. Erst kürzlich wurde der Speisesaal des Waldhauses  weihnachtlich geschmückt. Der Leiter von Open Hearts, Ostap Stadnyk, hat viele Events fotografisch festgehalten (s. Fotos im Anhang).

Die Gruppe ist inzwischen etwas dezimiert: Von ursprünglich 21 Personen sind sieben wieder nach Lemberg zurückgekehrt. Stepania und Yulia Boyko reisten bereits im Juni wieder zurück. Maria Martinjusk kehrte im September nach Hause, und Yaroslav und Oxana Kimka fuhren Anfang November nach Lemberg, während ihre Tochter Oxana bei ihrer Schwester in Wien untergekommen ist. Alle „Heimkehrer“ halten engen Kontakt zu der Gruppe in Münsterlingen. Demnach sind alle froh und glücklich, wieder zuhause zu sein und möchten auch nicht zurück nach Münsterlingen. Die Widrigkeiten in der Ukraine sind allerdings beträchtlich. Es ist kalt geworden, die Heizungen fallen häufig aus, und Elektrizität gibt es nur stundenweise. Yaroslav und Oxana Kimka, beide nicht behindert, können sich irgendwie arrangieren. Für Yulia Boyko allerdings, die mit MS an den Rollstuhl gefesselt ist, ist die Situation schwierig. Lorenz Zubler, der regelmäßig mit ihr telefoniert, macht sich große Sorgen um ihren Gesundheitszustand. Sie selbst würde sich jedoch nicht beklagen, berichtet er; für sie sei offensichtlich wichtiger, dass sie wieder bei ihrer Mutter und ihren Freunden sein könne.

Das Thema Rückkehr ist auch beim Rest der Gruppe ständig präsent. Aber obwohl sie Verwandte und Freunde vermissen und am liebsten wieder zuhause wären, können sich die Rollstuhlfahrer/innen Natalija Taralchuk, Oxana Shiposh, Ostap Standnyk und Natalija Kurylo nicht vorstellen, wie sie es ohne Heizung in ihren Lemberger Wohnungen aushalten und wie sie bei Luftalarm in die Schutzräume kommen sollten. Keine Heizung zu haben, ist für Menschen, die relativ unbeweglich im Rollstuhl sitzen, absolut bedrohlich. So sind alle froh, dass die Gruppe vorerst in der sicheren Schweiz bleiben kann.

Während der Status S für Flüchtlinge aus der Ukraine um ein Jahr verlängert wurde, ist die Unterkunft der Gruppe Open Hearts im Waldhaus in Münsterlingen allerdings nur bis Ende März gewährleistet. Danach muss eine andere Unterbringung gesucht werden.Lorenz Zubler und Hanspeter Ryser, die die Ukrainer engmaschig betreuen, stehen in engem Dialog mit den Sozialen Diensten See, die auf Seiten der Gemeinde für die ukrainischen Flüchtlinge zuständig sind. Gemeinsam wird eine Anschlusslösung gesucht, bei der die Gruppe möglichst zusammenbleiben kann. Auf eines stellen sich jedoch alle ein: Darauf dass der schreckliche Krieg in der Ukraine noch länger weitergehen könnte.

Während bisher das schöne Wetter für gute Laune sorgte und gelegentliche Ausflüge ermöglichte, ist der Winter und die Vorweihnachtszeit eine schwierige Zeit für die Ukrainer in Münsterlingen. Damit alle Rotarier und Rotarierinnen der beiden Clubs zusammen mit der Gruppe Open Hearts Weihnachten feiern können, findet am 28.12. ein Raclette-Essen im Waldhaus statt (weitere Infos dazu folgen).

Gemeinsames Basteln im Advent

Adventsbasteln

Yulia Boyko mit Freunden in Lemberg

Herbstspaziergang im goldenen Oktober

Ukrainisches Konzert

Ankunft beim ukrainischen Konzert

Besuch im Lindt-Schokoladenmuseum in Zürich

Lauter Lindor-Kugeln

Geburtstag von Pavlo

Kirchenkonzert mit Alphornbläser

Ausflug nach Romanshorn

Stadtbummel in Konstanz

Im Romanshorner Seepark

Ausflug nach Stein am Rhein

Auf dem Schiff nach Stein am Rhein

In Stein am Rhein vor malerischer Kulisse

Beim Rotary-Benefizkonzert

"Meisterklasse" Maniküre

Bei der Maniküre

Osterdekoration in der Stiftung Mansio

Ach Du dickes Ei!

Gemeinsam geht alles besser